Die Filmerzählerin
von Hernán Rivera Letelier
In den 60er Jahren lebt in einem einsamen Dorf in der Atacama-Wüste im Norden Chiles Maria Margarita mit ihren vier Brüdern und ihrem, seit einem Arbeitsunfall ans Haus gebundenen Vater. Die Mutter hat die Familie verlassen, doch auch ohne sie kommen die sechs irgendwie zurecht.
Der einzige Lichtblick des kargen, ärmlichen Lebens ist das Kino im Ort. Die Familie versucht, dafür das nötige Geld zusammen zu kratzen, doch es reicht oft nur für eine Kinokarte.
Das Los fällt auf Maria Margarita. Sie wird dazu bestimmt, sich die Filme anzusehen, um sie dann zuerst ihrer Familie, später aber immer zahlreicheren Besuchern mit der ihr eigenen Phantasie sehr bildhaft und genau zu erzählen.
So wird sie nach und nach fast schon zur Künstlerin mit ihrer lebhaften Erzählweise, einer beeindruckenden Darstellung, in der sie vollends aufgeht und dabei glücklich ist.
Bis zu dem Tag, an dem ein Unglück geschieht. Danach wird alles anders ...
Auf gerade mal 100 Seiten legt die zehnjährige Maria fast ihr ganzes Leben in einer unheimlich schillernden, zauberhaften Ausdrucksweise dar.
In "Die Filmerzählerin" steckt nicht nur eine Erinnerung an die Zeit des "Großen Kinos", es ist eine mit unheimlich viel Liebe zum Leben erzählte Geschichte, in der man die Einöde, die trostlose Landschaft, den Wüstenstaub genauso spürt, wie die Magie in der Welt des Films. Am Ende bleibt dem Leser ein tiefes, inneres Gefühl, das nicht mehr weichen will.
Der chilenische Bestsellerautor hat in der Kürze des Romans eine Fülle zum Nachdenken hinterlassen, es bedarf gar keiner größeren Ausschweifungen.
Hanka Mehlhardt - NATURA-Buchhändlerin
Produktdaten
Die Filmerzählerin
Hernán Rivera Letelier
Insel
2011
978-3-458-17495-0
Hardcover